KLOSTER FAHR

Blick hinter die Klostermauern (2017/18)

«Fotografieren heisst, den Atem anhalten, wenn alle unsere Sinne danach streben, die flüchtige Wirklichkeit einzufangen.» Dieser Satz stammt von Henri Cartier-Bresson und begleitet meine Kamera und mich bereits seit vielen Jahren. 

2013 fragten mich das Kloster Fahr und die Gemeinde Würenlos an, ob ich die letzte Klasse der Bäuerinnenschule im Fahr fotografisch dokumentieren würde. Ich begleitete die angehenden Bäuerinnen in der Klosteranlage während sechs Monaten und erhielt so ein erstes Mal einen unverhüllten Einblick in ein aktives bewohntes Kloster. 

Seither fotografiere ich immer wieder ausgewählte Themen und Anlässe für das Kloster Fahr oder – wie im vorliegenden Werk – ein Projekt über längere Zeit. Tatsächlich wurde die Idee zu diesem Buch schon vor einigen Jahren, während der Plakatausstellung für die Abschlussklasse der Bäuerinnenschule im Fahr geboren. 

Während eines Jahres hatten meine Kamera, die Benediktinerinnen des Kloster Fahr und ich die Gelegenheit, uns besser kennenzulernen. Die wechselseitige Beziehung zwischen Fotograf und Sujet hat einen grossen Einfluss auf das Bild, deshalb ist Vertrauen sehr wichtig. Bei meinen regelmässigen Besuchen im Fahr überraschte mich die Offenheit und Ungezwungenheit der Schwestern. Ich durfte sie wirklich überallhin begleiten, auch innerhalb der Klausur und bis hinein in einzelne Zellen. Sie wollten zeigen, wie sie leben, nicht nur im Text, sondern gerade auch im Bild. Sie verloren die Scheu vor der Kamera schnell und gaben sich genauso ungezwungen, wie ich es mir gewünscht hatte. Zudem fühlte ich mich sehr schnell persönlich aufgehoben im Fahr. Fotografieren sieht leicht aus, ist aber oftmals harte und schweisstreibende Arbeit. Das blieb nicht unbeobachtet, und so konnte ich bald einmal darauf zählen, dass jedes Mal, wenn ich ins Kloster kam, Getränke und Leckereien aus Küche, Backstube oder Garten für mich bereitstanden.

Ich möchte mich für die gastfreundliche, ja freundschaftliche Aufnahme bei allen Schwestern herzlich bedanken. Es war Arbeit, euch zu fotografieren, ja, aber eine unheimlich faszinierende und schöne Arbeit, was man in den Bildern hoffentlich auch sieht und spürt.

Gesamtausgabe_Luzerner_Zeitung_2018-08-31-19